10.08.2018

Berichte zur Sommertour 2018

06.08.2018

Kunst auf vielen Wegen erlebbar machen

Das Künstlerpaar Sabine Voerster und Klaus Storle aus Prenden

Das persönliches Engagement des Künstlerpaares rund um die Dorfkirche Prenden ist ein gutes Beispiel dafür, wie denkmalgeschützter Bausubstanz neues Leben eingehaucht werden kann. Mit dem Infopunkt Kunst Barnim machen sie ihre Erfahrungen für viele nutzbar. Sie vernetzen regionale KünstlerInnen, informieren über deren Angebote, suchen nach neuen Wegen Kunst erlebbar zu machen und organisieren Angebote der kulturellen Bildung oder den Tag des offenen Ateliers.

Fortschritte gibt es aus Sicht von Sabine Voerster beim Thema kulturelle Bildung. Immer mehr Lehrkräfte und Schulträger erkennen deren Chancen sowohl für den Bildungsalltag als auch für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Im Barnimer Netzwerk haben sie Bausteinangebote entwickelt, die es Schulen leichter machen, KünstlerInnen in den Unterricht einzubinden.

Sabine Voerster spricht Punkte an, die auch in anderen Bereichen immer wieder zu hören sind: Zu bürokratische Förderprogramme, die zu kurzfristig angelegt sind. Entscheidend ist für sie, die Finanzierung generell zu verbessern, denn viele KünstlerInnen leben hart an der Grenze zum Existenzminimum. Sie hofft auf mehr öffentliche Gelder, aber ihr Wunsch lautet vor allem, dass sich die regionalen Unternehmen stärker engagieren, insbesondere als Auftraggeber für Bildende KünstlerInnen. Denn vom Eingangsbereich in einem Supermarkt bis hin zur Gestaltung von Wartezimmern – es gibt viele öffentliche Orte, deren Gestaltung mehr Inspiration vertragen und unser Leben schöner machen könnten.

In Brandenburg gibt es viele Musikschulen, aber leider nur wenige Kunstschulen. Es bleibt daher eine wichtige Aufgabe für die Landespolitik, das Umfeld für die bildenden Künste weiter zu verbessern. Hierzu gehört sicher auch, die Professionalisierung von regionalen Netzwerken wie dem Infopunkt Kunst Barnim finanziell besser abzusichern.

Schwitzen war gestern, wer will da noch Auto fahren?

HNF Nocolai in Biesenthal

Der zweite Termin meiner Sommertour führte mich zur Firma HNF Nicolai in Biesenthal. Michael Hecken produziert hier mit seinen Partnern hochwertige eBikes für den Alltagsgebrauch. Entwicklung, Vermarktung, Vertrieb und Design erfolgen von Biesenthal aus, die Komponenten selbst werden zumeist importiert. Die Kunden konfigurieren die Details der Räder selbst im Netz, auf Basis einer übersichtlichen Zahl von Modellen. Qualität und perfekter Kundenservice haben bei HNF oberste Priorität. Das eBike ist längst kein Nischenprodukt mehr, der Marktanteil in Deutschland ist auf 25 Prozent angewachsen.

Soweit die Theorie, im Anschluss an das Gespräch bat Herr Hecken mich und meinen Mitarbeiter zum Praxistest. Auf vier unterschiedlichen Modellen ging es durch Biesenthal, einmal zur Wehrmühle und zurück. Was soll ich sagen? Die Motoren bringen das auf die Straße, was versprochen wurde. Fahrradfahren bei Temperaturen weit über 30 Grad wird zur Erfrischung, ohne schwitzen.

Unser Fazit: E-biken sollte jede und jeder mal getestet haben!

07.08.2018

Beim nächsten Mal besser vorbereitet

Besuch in der Gemeinde Leegebruch

 

Am zweiten Tag der Sommertour war ich in Oberhavel unterwegs. Der erste Termin war in Leegebruch, einer Gemeinde bei Oranienburg in der 2017 nach einem Starkregen große Teile des Gemeindegebietes inclusive Häuser und Infrastruktur wochenlang unter Wasser standen. Wochenlang war das Abwassersystem außer Betrieb und die 6.000 EinwohnerInnen mussten harte Zeiten durchstehen. Der Schrecken und der Schaden war groß, die Ursache für das Hochwasser war allerdings nicht der Starkregen allein. Innerhalb und außerhalb der Gemeinde gab es Defizite im Entwässerungssystem.

Herr Kabus, der Leiter des Bauamtes erläuterte mir die Zusammenhänge anschaulich. Die Gemeinde ist seit dem innerhalb ihrer Gemarkung sehr aktiv geworden. Ein Generalentwässerungsplan wird erarbeitet und erste Maßnahmen umgesetzt, Gräben wurden ertüchtigt und Abflusshindernisse beseitigt. Dabei ist die Gemeinde auf einem guten Weg und für den Notfall gibt es inzwischen auch einen ausgearbeiteten Krisenplan. Ein Problem ist, dass das Wasser außerhalb der Gemeindegrenzen ebenfalls weiter abfließen muss und dabei fühlt man sich bislang allein gelassen. Sei es ein Biberdamm in einem wichtigen Abflussgraben in der Nachbargemeinde oder ein hoher Staupegel im Sommer im Oranienburger Kanal, der im Bedarfsfall nach unten gefahren werden muss.

Ich schlage vor hier einen Staubeirat mit allen Trägern öffentlicher Belange zu bilden, in dem dann der besonderen Situation von Leegebruch Rechnung getragen werden kann.

Innovation und Altlasten

Ein Besuch beim Bürgermeister von Oranienburg

Oranienburg ist eine Stadt in einer sehr günstigen Lage aber mit großen Altlasten aus dunkler Vergangenheit. Offiziell war der Besuch in Organienburg geplant um das neue Fahrradparkhaus zu besichtigen, dazu später mehr. Der neu gewählte Bürgermeister, Alexander Laesicke, empfing inmitten von Umzugskisten im Oranienburger Schloss, dem Sitz der Stadtverwaltung und unterrichtete über ein für Oranienburg ebenso besonderes wie problematisches Kapitel. Die Kampfmittelbelastung die nach wie vor im Boden der Stadt liegt. Von den 21.300 Bomben die gegen Ende des 2. Weltkrieges über Oranienburg abgeworfen wurden waren 4000 mit chemischen Zeitzündern versehen, die erst nach mehreren Stunden bis Tagen explodieren sollten. Von diesen befinden sich aktuell noch geschätzte 270 -280 Bomben unter der Erde, bei denen der Zeitzünder damals nicht ausgelöst hat. Darunter Bomben mit einer Traglast von bis zu 500 kg Sprengstoff. Experten sind sich sicher, dass der größte Teil dieser Bomben eines Tages explodieren wird. Die Herausforderung diese Bomben aufzuspüren ist enorm und die Kosten kann Oranienburg in dem Ausmaß ohne bessere Unterstützung nicht schultern. Jährlich stehen 3-4 Mio € dafür zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Landesregierung bin ich der Meinung, dass der Bund hier deutlich stärker in die Pflicht genommen werden muss. Er kann sich als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs nicht damit aus der Verantwortung stehlen, dass er sich nur für die Wehrmachtsmunition für zuständig erklärt und alliierte Bomben als kommunalpolitisches Problem betrachtet. Ich werde dieses Thema nach Potsdam mitnehmen und mich für eine stärkere Unterstützung durch den Landtag einsetzen.

Im Anschluss dann der erfreuliche Teil: Oranienburg hat den Trend der Zeit erkannt und baut für seine Pendler ein topmodernes Fahrradparkhaus am Bahnhof. Das Parkhaus wird 1000 Fahrräder aufnehmen können, bietet Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder und eine Luftpumpenstation. Kostenpunkt 1,7 Mio €, finanziert zu 2/3 aus Eigenmitteln der Stadt. Oranienburg setzt hier mal ein Ausrufezeichen um den ÖPNV und den Radverkehr für Pendler attraktiver zu machen. Bedauerlich zu hören, dass die Deutsche Bahn keine Unterstützung leistet.

 

Wo Fahrzeuge das Laufen lernen

Ein Besuch bei Stadler in Velten

 Ein sehr guter passender Anschlusstermin zum Fahrradparkhaus war der Besuch bei Stadler in Velten. Hier war ich gemeinsam mit Matthias Gastel, dem bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN eingeladen. Ulf Braker, CEO der Stadler Pankow GmbH, ließ keinen Zweifel daran, dass man bei Stadler ebenso an die Vorteile des schienengebundenen ÖPNV glaubt wie bei uns Grünen. Stadler setzt dabei auf Qualität, sowohl in Bezug auf Funktion und Zuverlässigkeit als auch in der Ausstattung. Letzteres leider nur, wenn der Kunde dies auch wünscht. Herr Braker bedauert Ausschreibungen die allein auf den günstigsten Preis abzielen, diese führen leider dazu, dass im Extremfall bessere „Truppentransporter“ gebaut werden, jeglicher Komfort bleibt auf der Strecke. Damit wird man zwar die Leute befördern, die ohnehin auf die Bahn angewiesen sind, aber niemanden aus seinem „BMW“ zum Umsteigen bewegen. Wie sehr man bei Stadler sehr auf Innovation setzt konnten wir dann an dem neuesten Projekt bewundern. Man arbeitet daran den Diesel auf nicht elektrifizierten Strecken durch innovative Antriebe zu ersetzen. Uns wurde ein Prototyp gezeigt, wir mussten aber versprechen darüber noch nicht zu berichten. So viel darf ich verraten: Wir waren beeindruckt! Zum Abschluss konnten wir dann noch eine fertig geprüfte Berliner U-Bahn auf der Teststrecke im Führerstand selbst Probefahren. Eine kleine Herausforderung.

 

08.08.2018

Wir wollen nicht über das Wetter jammern

Zu Besuch in der Agrargenossenschaft Trampe

Auch in Trampe ist der Sommer 2018 und trocken. Die Agrargenossenschaft hat bei allen Kulturen Ertragsverluste von 30 bis 40 Prozent zu verzeichnen. Doch Geschäftsführer Holger Lampe konzentriert sich lieber auf die Dinge, die er selbst beeinflussen kann und bleibt gelassen: Wir wollen nicht über das Wetter jammern, dazu ist alles gesagt und stand alles in der Zeitung. Es gab auch früher schon heiße Sommer und Dürre. Wir müssen uns anpassen und damit leben. Wichtiger als neue Subventionen wäre aus der Sicht von Holger Lampe, dass jeder Betrieb in guten Jahren steuerfreie Rückstellungen für wetterbedingte Notlagen bilden kann.

Die 13 in der Agrargenossenschaft zusammengeschlossenen Genossen bewirtschaften rund um Trampe rund 1.400 Hektar, auf denen sie vor allem Marktfrüchte anbauen. Darunter sind aber auch 250 ha Grünland für die Uckermärker Weiderinder. Sie helfen dabei, die artenreiche Offenlandschaft des ehemaligen Standortübungsplatzes Trampe zu erhalten. Dafür hat der Betrieb auch Flächen vom Naturschutzbund verpachtet bekommen.

Holger Lampe spricht mit Blick auf den Klimawandel und andere Entwicklungen Klartext: Wir können nicht damit rechnen, dass die heutige Landwirtschaft ein tragfähiges Modell für die Zukunft ist. Aber für die notwendigen Veränderungen fordert er mehr Unterstützung, zum Beispiel bei der Forschung und Entwicklung neuer Sorten und beim Anbau von Kulturen wie Soja oder Hirse, die heute noch selten in den Fruchtfolgen zu finden sind. Holger Lampe ist hier offen für Neues.

 

Sonnenstrom satt durch den Jahrhundertsommer

Renewable Energy Capital Partners (RCP) GmbH in Finowfurt

Als Gegenpart zu dem vorherigen Termin besuchte ich am Nachmittag einen großen Nutznießer des aktuellen „Jahrhundertsommers“. Die Betriebsführung einer Gesellschaft die große Solaranlagen verwaltet. RCP verwaltet in dem Bürogebäude direkt angrenzend an die beiden großen Solarablagen Finow I und Finow II insgesamt Anlagen an 8 Standorten mit einem Schwerpunkt in Brandenburg. Renten- und Lebensversicherungen haben in diese Anlagen ihr Kapital investiert, 17 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sichern alle Aufgaben der Betriebs- und Rechnungsführung ab, 12 davon arbeiten in Finowfurt. In der Schaltzentrale konnte ich die aktuelle Leistung aller Parks bei voller Sonneneinstrahlung beobachten, aktuell liegt diese Einspeisung 20% über dem jahresüblichen Soll. Da zeitgleich bundesweit Atom- und Kohlekraftwerke wegen der Kühlwasserproblematik heruntergefahren werden müssen leistet die Solarenergie hier einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Im Anschluss ging es raus auf einen Aussichtspunkt mitten in der Anlage von der aus man die die Module von Finow I und II überblicken kann. Eine Fläche von insgesamt über 280 ha mit einer Ost-West Ausdehnung von 3,5 km. Da beide Anlagen nach dem Bau wegen Konflikten mit dem Natur- und Artenschutz in der Kritik standen, war auch dies ein Thema. Unverändert gelten Naturschutzauflagen für die Anlagen selbst sowie für die umliegenden Ausgleichsflächen. Ein jährliches Monitoring überwacht den Zustand mehrerer Artengruppen und die Ergebnisse sind besser als man damals nach dem Bau vermutet hatte. Insbesondere die Zuwanderung des Wiedehopfs stellt einen großen Erfolg dar. Somit für mich ein gelungenes Beispiel für naturverträgliche Nutzung erneuerbarer Energien auf einem Altlastenstandort.

 

09.08.2018

Hier schmeckt die Uckermark nach Apfel

Haus Lichtenhain – zu Besuch bei Daisy und Michael von Arnim

Daisy von Arnim macht das Beste aus dem, was die Uckermark zu bieten hat. Wo früher ein Kuhstall war, werden heute Äpfel gemostet. Die vielfältige Produktpalette der Apfelgräfin zeigt als gutes Beispiel, wie man mit und von der Landschaft leben kann. Aus allem, was Daisy von Arnim sagt und tut, ist ihre Liebe zur neugefundenen Heimat in Brandenburg abzulesen und ihr innerer Antrieb, Verantwortung zu übernehmen - für sich und für andere. Sie erinnert daran, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass Frauen in Deutschland eine Erlaubnis von ihrem Ehemann brauchten, wenn sie eine Firma gründen wollten. Und daran, dass wir in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern. Und das soll doch alles so bleiben, gibt sie nachdenklich in die Runde. Michael von Arnim ist Landwirt. Auch er rechnet im Dürrejahr 2018 mit Ertragseinbußen von rund 40 Prozent. Um seinen Betrieb auf eine wirtschaftlich breitere Basis zu stellen, will er ein Drittel seiner Flächen auf Bio umstellen und in die Hühnerhaltung investieren. Mit Blick auf die aktuellen Debatten (nicht nur über Landwirtschaft) wird Michael von Arnim grundsätzlich. Wir brauchen eine neue Form der Verantwortung in unserer Gesellschaft, sagt er. Und er wünscht sich eine Diskussionskultur, in der es vor allem darum geht, einander zu verstehen. Im Anschluss an die Hofführung gab es ein Picknick á la Haus Lichtenhain mit Akteuren der ländlichen Entwicklung. Jana Thum und Roland Resch vom Förderverein Naturpark Uckermärkische Seen sprachen die Herausforderungen im Tourismus an: In der Hochsaison reichen die gastronomischen Kapazitäten oft nicht aus, um die Gäste gut zu versorgen, während es in der Vor- und Nachsaison an Nachfrage und in der Folge an attraktiven Angeboten fehlt. Probleme gibt es inzwischen auch bei der Bereitstellung von Wohnraum für Saisonarbeitskräfte im Tourismus und in der Landwirtschaft. Um diese Probleme weiß auch Silke Rumpelt von der Tourismus Marketing Uckermark GmbH (tmu). Deshalb beschränkt sich die tmu schon lange nicht mehr auf die Vermarktung, sondern unterstützt aktiv die Entwicklung neuer Angebote und versucht, das Umfeld für den Tourismus insgesamt zu verbessern, vor allem mit Blick auf Themen wie Öffentliche Mobilität, Qualifizierung der Anbieter und Anbieterinnen oder dem Klimaschutz.

 

Vertrauen ist die Basis unseres Geschäfts

Ein Besuch auf dem Demeter Baunernhof in Weggun

Frank van der Hulst ist überzeugt von dem was er tut. Er lebt mit seiner Familie auf einem echten Bauernhof mit dauerhaft gesicherten und arrondierten Flächen um seinen Demeter-Hof. Die Voraussetzung um unabhängig zu sein.

38 ha sind zu klein um nur billige Marktfrüchte für den Weltmarkt zu produzieren, daher setzt er auf Veredlung und Selbstvermarktung. Er baut Rhabarber, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren an. Dazu Schafe und Hühner und etwas Getreide. Auf der doch vergleichsweise kleinen Fläche beschäftigt er zwei Festangestellte und über 10 Saisonkräfte zur Erntezeit.

Nach seiner Philosophie kann der Hof nur bestehen wenn Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte im Einklang miteinander stehen. Dabei hat er sich zu jedem der drei Aspekte konkret Gedanken gemacht:

Intakte Ökosysteme schafft er durch kleinteilige Strukturen und den konsequenten Verzicht auf Spritzmittel, auch auf die im Ökolandbau zugelassenen Mittel wie Kupfer, Schwefel oder Seife. Das Soziale ist ihm sehr wichtig, er beschäftigt Arbeitskräfte aus dem Dorf und ist ein fairer Arbeitgeber. Ökonomie bedeutet für ihn zu seinen Geschäftspartnern ein Vertrauensverhältnis zu haben zu beiderseitigem Vorteil. Er vermeidet soweit möglich Zwischenhändler, schließt keine langfristigen Lieferverträge ab und vermarktet auch selbst in Berlin.

Der Demeter Bauernhof Weggun liegt dabei wie eine Oase in der Agrarwüste eines großen Investors aus Niedersachsen. Die Gegensätze könnten nicht deutlicher sein, ausgedehnte Maismonokulturen für die Biogasproduktion und ortsfremde Lohnunternehmer bei der Arbeit auf den Äckern ringsum und der arbeitsintensive Beerenobstanbau bei Frank. Ich wünsche mir das Frank seinen Weg konsequent weiter verfolgt, mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde weiter an innovativen Projekten arbeitet und er bald seinen Schlepper wie geplant mit dem Strom aus der hauseigenen Solaranlage betreiben kann.

LINK zu Bericht von Uckermark TV

10.08.2017

20 Hektar für die Vielfalt

Bio Bauernhof Erz

Hanna und Johannes Erz bieten mit ihrem Betrieb in Rathstock ein Kontrastprogramm zu den Großbetrieben in der Brandenburger Landwirtschaft. Beide haben eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und danach Ökolandbau in Eberswalde studiert. Ihr Ziel war immer, einen bäuerlichen Familienbetrieb zu gründen und ökologisch zu bewirtschaften. Sie setzen vor allem auf den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden und vermarkten einen großen Teil ihrer Produkte ab Hof. Der Hofverkauf spart auch einigen Aufwand, die Eier zum Beispiel müssen nicht gewogen, sortiert, gestempelt und verpackt werden. Mit Studenten der HNE Eberswalde haben sie ein Naturschutzkonzept erarbeitet, dass sie in den nächsten Jahren umsetzen wollen, um mehr Vielfalt in ausgeräumte die Feldflur zu bringen. Noch funktioniert das nur, weil Johannes Erz nebenbei einer Beschäftigung als Angestellter nachgeht. Doch sobald es gelingt, trotzt des überhitzten Bodenmarktes weitere Flächen in den aktuell rund 10 ha großen Betrieb zu bekommen, will die Familie ganz von der Landwirtschaft leben. Mit von der Partie war Dirk Behrendt, grüner Senator für Verbraucherschutz in Berlin. Das Thema „gutes Essen aus der Region“ steht in Berlin oben auf der Agenda. Nicht nur in der Politik – auch der zivilgesellschaftliche organisierte Berliner Ernährungsrat sorgt sich um eine nachhaltige regionale Landwirtschaft. Vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung setzt Berlin auf Bio aus der Region und stößt hier ständig an Grenzen. Deshalb ist es wichtig, die Interessen von Erzeugern und Verbrauchern besser aufeinander abzustimmen und so die Chancen des Berliner Biomarktes zu nutzen. Bisher kommen nur rund 5 Prozent der Bio-Ware aus der Region. Und der Biomarkt wächst weiter. Dirk Behrendt will helfen, dass wenigstens der Zuwachs vor allem aus Brandenburg kommt.

 

 

Gibt es eine Zukunft für junges Gemüse?

Biolandhof Ziehlke

Frisches Obst und Gemüse aus der Region? Hier klaffen und Wunsch und Wirklichkeit immer stärker auseinander. Es gab Zeiten, da waren das Oderbruch der Gemüsegarten und das Anbaugebiet Werder der Obstgarten der Berliner. Heute sieht das komplett anders aus. Der Gartenbau in Brandenburg schrumpft wie in ganz Deutschland. Die Zahl der deutschen Gemüsebaubetriebe sankt in 20 Jahren von 21.000 auf 6.000. Schon 2011 nahmen in Brandenburg nur noch 32 junge Menschen eine Gartenbaulehre auf, 2017 waren es noch ganze 11. Zum Abschluss meiner Sommertour besuchte ich deshalb den Biolandhof Zielke in Görlsdorf (MOL). Inhaber Georg Zielke benennt die Probleme in wenigen Sätzen: In Brandenburg gibt es keine gute Infrastruktur für den Gartenbau. Es fehlt vor allem an Beratung und an spezialisierten Lohnunternehmen. Das Klima und der Arbeitsmarkt machen die Lage zusätzlich schwierig. Den Grund hierfür sieht Georg Zielke vor allem in einem fehlenden Problembewusstsein: Wenn wir Kleine unter dem Preisdiktat der Großhändler kaputt gehen, dann merkt das niemand, weil hochspezialisierte Anbaugebiete sofort in die Lücke springen. Trotzdem arbeiten die Zielkes seit über 25 Jahren erfolgreich und konnten ihren Bio-Betrieb schrittweise erweitern. Sie bauen auf rund 25 ha (davon rund ein ha unter Glas/Folie) Gemüse, Kartoffeln und Kräuter an und beliefern vor allem Bio Company und Naturkostfachgeschäfte. Und trotz des hohen Aufwands in der Direktvermarktung, bedienen die Zielkes auch einige Berliner Wochenmärkte. Mit Blick auf die Diskussion um Dürrehilfen im Trockenjahr 2018 sagt er, dass es dem Betrieb schon helfen würde, wenn wenigstens beantragte Fördermittel oder Steuerrückzahlungen halbwegs pünktlich gezahlt würden. Denn hier klemmt es gewaltig. Trotzdem gibt es eine Zukunft. Sein ältester Sohn Conrad und Schwiegertochter Ina wollen den Betrieb übernehmen. Doch dafür wird es notwendig sein, konsequent auf Qualität zu setzen, denn der Markt akzeptiert nur einwandfreie Ware. Sie werden weiter in Technik investieren müssen, um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen.

 

 

Kategorien:Veranstaltungen
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